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Verschiedene Aspekte der Gattung Astrophytum Lem. sind innerhalb der Pflanzenfamilie der Kakteen bisher nur in Teilen erforscht. Es gibt einen Versuch aus dem Jahr 1944 von MEGATA, M. die damaligen Kenntnisse aus naturwissenschaftlicher Sicht zusammenzufassen. Diese Internetsite sammelt das damals Erreichte und das in den seither über sechs vergangenen Jahrzehnten neue Wissen. Trotz des erheblichen Umfangs der Daten und Bilder bleiben auch diese Sammlungen um mit den Worten MEGATA's zu sprechen: |
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Eine Kostbarkeit aus der Neuen Welt: Bilderbeispiele |
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Hier soll die Gattung Astrophytum (Sternpflanzen) vorgestellt werden, die mit die höchstentwickelten Stammsukkulenten Mexikos beinhaltet. Ihr geläufiger deutscher Name "Bischofsmütze" leitet sich treffend aus der fünfrippigen Form von Astrophytum myriostigma her. Auch die Mexikaner selbst bezeichnen das Astrophytum myriostigma als "mitra" (Bischofsmütze). Astrophytum umfaßt fünf Arten und eine Untergattung Stigmatodactylus, die räumlich voneinander getrennt vorkommen. (siehe Karte)
Astrophytum ornatum (DC.) F.A.C. Web. ex Britton et Rose

Die evolutiv älteste und südlichste Art stellt Astrophytum ornatum (ornatus=geschmückt) aus den mexikanischen Bundesstaaten Hidalgo Queretaro, Guanajuato und im südlichen San Luis Potosi dar. Es war auch die erste Bischofsmütze die im Jahr 1828 nach Europa kam. Als der Botaniker De Candolle die Pflanze aus der Überseekiste auspackte, war er zunächst der Meinung, der neue und unbekannte Kaktus wäre nach der monatelangen Schiffsreise vom Pilz befallen. Zu seinem Erstaunen stellten sich jedoch die weißen Flecken mit denen der gesamte Körper übersät war als Haarbüschel heraus. Heute weiß man, daß diese Beflockung ein Charakteristikum der Astrophyten darstellt, das nur sie besitzen. Die Wollhaare dienen vielleicht(!) der Wasseraufnahme (Tau) und, ebenfalls unsicher, dem Sonnenschutz. Nachweislich haben sie eine wichtige Funktion bei der Mimese. Unter dieser versteht man die optische Anpassung an die Umgebung. Sie bietet den Pflanzen einen großen Überlebensvorteil, weil sie vor Tierfraß - und manchmal auch vor der menschlichen Sammlertätigkeit schützt.
Astrophytum myriostigma Lemaire, Ch.

Eine perfekte diesbezügliche Tarnung besitzt Astrophytum myriostigma (myriostigma=tausendgepunktet) das der Franzose Lemaire elf Jahre später, 1839, beschrieben hat. Es ist mit seinem fünfrippigen, dicht mit weißen Wollflecken bedeckten, dornenlosen Körper an seinen Standorten in San Luis Potosi und Tamaulipas zwischen den Kalkfelsen oft nicht mehr von diesen unterscheidbar. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts haben viele Kakteensammler, darunter mehrere Deutsche, Varietäten entdeckt und beschrieben. Man kennt sogar Pflanzen ohne Flocken (Nuden), Pflanzen mit nur vier Rippen und alte Myriostigmen mit sieben, acht und mehr. Aber alle besitzen rein gelbe Blüten wie die Ornaten. In der mexikanischen und amerikanischen Literatur zählt man hierzu auch -wohl mehr aus historischen Gründen- das geographisch und in den generativen Merkmalen (Blüte, Frucht, Samen) völlig verschiedene Astrophytum coahuilense.
Astrophytum asterias (Zuccarini) Lemaire

Einer schönen, aber nicht unbedingt wahren Anekdote nach verdanken wir die Entdeckung des ebenfalls dornenlosen Astrophytum asterias (asterias=seeigelartig) dem Wüstenwind. Der deutsche Mexikoreisende Baron Karwinski mußte seinem davonrollenden Hut nachlaufen und fand gerade an der Stelle im dürren Gestrüpp an der sich sein Sombrero verfing die erste Pflanze dieser wohl schönsten Art der Gattung. Die wenigen Exemplare die damals 1843 Europa erreichten waren bald verschollen, denn die Kultur der Pflanze ist nicht einfach. Erst 1923 ist das Asterias von Fric bei dem mexikanischen Großgrundbesitzer Gonzalez im Staat Tamaulipas wieder gefunden worden. Artreine Pflanzen sind auch heute eine Rarität und in ihrer Heimat fast ausgestorben. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man am Rio Grande an der mexikanisch / texanischen Grenze weitere Vorkommen festgestellt. Das ebenfalls sehr seltene texanische Asterias ist aber schon in den 30-er Jahren durch gewissenlose Händler zum größten Teil ausgerottet worden.
Astrophytum capricorne (A. Dietrich) Britton et Rose

Als letzte Spezies wurde Astrophytum capricorne (capricorne=ziegenbockähnlich) 1850 von Poselger gefunden und von Dietrich l851 beschrieben. Es sind die nördlichsten Bischofsmützen in den Staaten Coahuila, Zacatecas und Nuevo Leon. Sie besitzen eine dichte, lange Bedornung und prächtige gelbe Blüten mit tiefrotem Schlund. Ihre Standorte zählen zu den regenärmsten aller Astrophyten in den Halbwüsten der Sierra de Paila. Bei ihrer Mimese spielt die Bedornung eine große Rolle. Im Gestrüpp sind sie damit vorzüglich getarnt. Manche Pflanzen ähneln bei flüchtigem Hinsehen mehr einem dürren Grasbüschel als einem Kaktus. Von Astrophytum capricorne kennt man die Varietäten niveum (niveus=schneeig, schneeweiß), senile (senile=greisenhaft), aureum (goldgelbe Dornen), minus (kleinwüchsig) und das verschollene crassispinum (crassispinus=starkbedornt).
Astrophytum coahuilense (H. Möller) Kayser

In der Heimat des Astrophytum capricorne wächst auch die fünfte Art der Gattung, das Astrophytum coahuilense. Es hat seinen Namen von seinem ersten Fundort im Staat Coahuila erhalten. An den Grenzen zu den mexikanischen Bundesstaaten Zacatecas sowie Durango bei Lerdo und Torreon ist es ebenso anzutreffen. So gesehen ist die Namensgebung nicht sehr glücklich. Ein Laie kann das Coahuilense von der "normalen" Bischofsmütze, dem Astrophytum myriostigma, kaum unterscheiden. Erst die Blüten und Früchte zeigen den Unterschied. Während die Myriostigmen wie erwähnt reingelbe Blüten besitzen, weist das Coahuilense solche mit rot-orangefarbigem Zentrum auf. Damit ist eine nähere Verwandtschaft zu den Capricornen naheliegend. Trotzdem führt die wissenschaftliche Systematik in USA und Mexiko diese Pflanzen bis heute irrtümlich noch häufig als Varietät der Myriostigmen.
Untergattung Stigmatodactylus: Astrophytum caput-medusae D. Hunt

Die Pflanzen wurden 2001 in Nuevo Leon entdeckt und zunächst als Digitostigma beschrieben. Die Umkombination zu Astrophytum durch David Hunt erfolgte wegen der für diese Gattung charakteristischen Flocken, einem sehr ähnlichen Blütenbau und mützenförmigen Samen. Ihre Erscheinung wird geprägt durch lange Warzen mit zweigeteilten Areolen die an der Warzenspitze kurze, feine Dornen haben. Der oberirdische Körper ist sehr kurz, dafür besitzt das A. caput-medusae eine mächtige, unterirdische Speicherwurzel.
Kultur und Vermehrung

Die Pflege der Myriostigmen und Ornaten dürfte für den engagierten Pflanzenfreund kein Problem darstellen. Wie alle Bischofsmützen wachsen sie am besten in einem lockeren, mineralischen Substrat mit wenig Erdzusatz (ca. 3/5 Sand, 1/5 Ziegelsplitt, 1/5 Blumenerde). Eine Bodenreaktion um PH 7 sagt ihnen durchaus zu: in ihrer Heimat besiedeln sie Gegenden mit Kalksteinformationen ähnlich unserem Jura. Gegossen wird nur während der Vegetationszeit etwa April bis September an warmen, aber nicht heißen Tagen. Den Rest des Jahres verbringen die Bischofsmützen völlig trocken bei Temperaturen um 10 Grad Celsius. Der häufigste Pflegefehler besteht darin, daß diese Ruhezeit nicht beachtet wird.
Alle anderen Astrophyten sind ähnlich zu pflegen. Aber Vorsicht: sie verzeihen Ihnen eine abweichende Behandlung bezüglich Wässern und Ruhezeit weit weniger. Es sind Kostbarkeiten im Pflanzenreich die einer aufmerksamen Pflege wert sind. Zuviel Licht und zuwenig Wasser gibt es kaum für sie; Dunkelheit, Kälte und Staunässe bringen sie in Gefahr.
Wenn Sie sich in einer Gärtnerei oder im Supermarkt gepfropfte Astrophyten kaufen, schneiden Sie die Kakteen so ab, daß etwa zwei Zentimeter der grünen Unterlage noch am Pfröpfling verbleiben. Lassen Sie die Pflanze an einem schattigen aber warmen Platz einige Tage abtrocknen und bewurzeln Sie anschließend o h n e das Substrat zu befeuchten. Nach einigen Wochen werden sich Wurzeln zeigen. Nun können Sie das Astrophytum eintopfen und vorsichtig gießen. Gepfropfte Astrophyten sehen nicht besonders schön aus. Abgesehen davon werden sie auf der handelsüblichen Unterlage nicht alt, weil diese meist bald abstirbt. Der als Pfropfunterlage verwendete Hylocereus trigonus ist ein eher tropisches Gewächs mit erheblich abweichenden Pflegebedingungen im Winter.
Wollen Sie Ihre Bischofsmützen vermehren gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Sie bestäuben zwei gleichzeitig blühende Individuen und ernten den Samen (noch einfacher Sie kaufen sich welchen) den Sie aussäen. Oder Sie schneiden Ihre Bischofsmütze mittlings durch. Den Kopfteil lassen Sie mehrere Wochen trocknen und bewurzeln wieder wie schon erwähnt. Aus dem verbliebenen Stumpf sprossen nach einiger Zeit neue Astrophyten.
Eine Aufzucht der Pflanzen aus den mützenartig geformten, 2-3 mm großen dunkelbraunen Samen ist denkbar einfach. Die Samen werden auf mineralisches Substrat nur locker aufgestreut. Am besten bewässert man die Pflanzgefäße in einer Pikierschale durch Aufstauen. Dadurch verschwemmen keine Samenkörner und die erforderliche milde Feuchtigkeit läßt sich einfach regulieren. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 25-28 Grad Celsius keimen die ersten Samen schon nach wenigen Tagen. Achten Sie darauf, daß die jungen Sämlinge frische Luft erhalten. Gegen Pilzbefall kann man mit gutem Erfolg das leicht erhältliche Chinosol vernebeln.
Lassen Sie die jungen Bischofsmützen im ersten Winter nicht ganz vertrocknen und geben Sie ihnen wenn möglich einen hellen Platz am Fenster der nicht unter 15 Grad Celsius warm ist. Sollten die Sämlinge dadurch etwas "länglich" geraten, wird sich das im nächsten Sommer wieder verwachsen. Diese Zeit oder noch besser das Frühjahr nutzen Sie um die Nachkommen Ihrer Astrophyten zu pikieren. Auch bei guter Pflege müssen Sie allerdings noch 3-4 Jahre, bei den Ornaten 5-8 Jahre auf die prächtigen Blüten warten. Sind die Bischofsmützen aber erwachsen, bringen sie regelmäßig und reich die Blüten vom Frühjahr bis zum Herbst. Wenn Sie alles optimal einrichten werden Ihre Pflanzen sehr alt. Von den Ornaten weiß man, daß einhundert Jahre in ihrem Leben keine Grenze sind.
Auszug (aktualisiert, ergänzt und angepasst an die Site) aus:
HOOCK, H. Bischofsmützen, Siedlung und Eigenheim (Wächter Verlag, Berlin), 1985 : 38 (9) 302-304
Stand Dezember 2009
Einführung in die Gattung
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