Astrophytum myriostigma v. nudum (R. Meyer) Megata Einführung


Der um die vorletzte Jahrhundertwende neben der Firma Kakteen-Haage bekannte Kakteenhändler Richard Grässner importierte 1911 bis dahin unbekannte Pflanzen aus der Gattung Astrophytum. Es handelte sich um völlig flockenfreie Astrophytum myriostigma die Rudolf Meyer ein Jahr später an Hand weniger Exemplare als Echinocactus myriostigma v. nuda in der Monatsschrift für Kakteenkunde beschrieb (MEYER 1912). Der Name ist eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. „Myriostigma“ bedeutet ja in Anspielung auf die zahlreichen Wollflöckchen auf der Epidermis dieser Kakteen „zehntausend-gepunktet“. Lemaire schreibt in seiner Erstbeschreibung wörtlich „A. decem millibus punctis albis sparsum“ (LEMAIRE 1839). Die Epidermis der neuen Pflanzen ist aber gerade ohne jede Wollflocke, als nudal charakterisiert.

Für die Gattung Astrophytum ist bis heute eine grundsätzliche Frage nicht sicher geklärt: welche Funktion haben die Wollflöckchen die nur bei diesen Pflanzen zu finden sind? Wir wissen sicher, dass sie in einigen Fällen der optischen Einpassung in die Umgebung und damit dem Schutz vor den Fressfeinden dienen. Aus den Untersuchungen von Buxbaum (in KRAINZ 1962) über die morphologischen Eigenschaften dieser Epidermisanhängsel und der Interpretation durch Schill, R.; Barthlott, W.; Ehler, N.; Rauh, W. (1973) könnte man darauf schließen, dass die Wollhaare auch der Wasseraufnahme dienen. Weiter werden als mögliche Flockenfunktion von verschiedenen Autoren Nässeschutz (HAAGE, W.; SADOVSKY, O. 1957), Kälteschutz (l.c. u.a.) oder Sonnenschutz (PURPUS, J. A. 1914, RITTER, F. 1930, DAMUDE, N.; POOLE, J. 1990 u.a.) genannt. Aber ausgerechnet das nudale, grüne Myriostigma wächst in den exponiertesten Hochlagen aller Astrophyten und nicht nur getarnt in den bodendeckenden Hechtien (Bild 2) sondern überraschend häufig auch völlig freistehend in der prallen Sonne. Seine Heimat befindet sich im Bundesstaat San Luis Potosi, Mexiko nördlich der Sierra de Guadalcazar bis etwa in die Ausläufer der östlichen Sierra Noala. Der von Viereck noch weiter nördlich genannte Fundort Matehuala wurde zwar von verschiedenen namhaften Autoren immer wieder zitiert, ist jedoch vermutlich eine absichtliche Irreführung für die damalige Sammler-Konkurrenz (VIERECK, H. W. 1939).

Literatur:
GRÄSER, R. (1967): Wünsche eines Myriostigmenfreundes - Shaboten 65 (4): 2-6.

HOOCK, H. (1990): The Myriostigmas of San Antonio - Brit. Cact. Succ. Journ. (GB) 8 (3): 68-73.

KLAUS, W. (1985): Dornen-Rudimente bei Astrophytum myriostigma LEMAIRE - Kakt. and. Sukk. 36 (7): 132-133.

KLESZEWSKI, K. P. (1994): Begegnungen mit Astrophyten an der Huizache-Kreuzung - Kaktusblüte Verein der Kakteenfreunde Mainz / Wiesbaden und Umgebung, OG Rhein-Main-Taunus: 48-51.

KRAINZ, H. (1961): Die Kakteen - Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart: Lieferung 1.IV.1962

LEMAIRE, CH. (1839): Cactacearum Genera nova Speciesque novae et omnium in Horto Monvillano cultarum -: 3-6.

MEYER, R. (1912): Echinocactus myriostigma S.-D. var. nuda R. MEY. var. nov. - Monatsschrift f. Kakteenkunde 22 (9): 136-137.

PURPUS, J. A. (1914): Mimikry bei Kakteen - Möllers Deutsche Gärtner-Zeitung Jg (8): 89-91.

RITTER, F. (1930): Über die Verbreitungsbedingungen der Kakteen in Mexiko - Monatsschrift d. DKG 2 (9): 191-199.

SCHILL, R.; BARTHLOTT, W.; EHLER, N.; RAUH, W. (1973): Raster-elektronen-mikroskopische Untersuchungen an Kakteen -Epidermen und ihre Bedeutung für die Systematik-; Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz - Steiner-Verlag, Wiesbaden: 209-218.

VIERECK, H. W. (1939): Astrophyten, wie sie der Sammler in den Heimatgebieten sieht - Beiträge z. Sukkulentenkunde Jg (1): 4-8.

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