Astrophytum myriostigma v. nudum (R. Meyer) Megata Standorte


Betrachtet man die einzelnen Fundorte so kann man diese in zwei Sektionen einteilen. In den sogenannten Mischgebieten wachsen beflockte, nudale und halbnudale Pflanzen auf wenigen Quadratmetern zusammen. Die Pflanzenbestände in den bereits erwähnten Hochlagen sind dagegen einheitlicher ohne Beflockung. Machen wir zuerst einen Abstecher in die Berge nördlich der Sierra Guadalcazar. Das Habitat liegt auf einer Höhe von 1750 m über dem Meer, es ist auf den nach Südwesten ausgerichteten Bergen recht beschwerlich zu begehen. Schräg abfallende felsige Kalkplatten sowie Kanten und Abrisse mit eingeschobenen Schotterinseln bestimmen das Landschaftsbild. Zwischen niedrigen Büschen und Bäumen gedeihen in der Hauptsache Hechtien. Als weitere Begleitpflanzen sind Ariocarpus retusus (Scheidweiler), Thelocactus tulensis (Poselger) Britton und Rose, Mammillaria candida (Scheidweiler) sowie einige Opuntia spec. zu nennen. Astrophytum myriostigma var. nudum wächst hier ohne Schutz in der prallen Sonne. Bevorzugte Standorte sind direkt neben den Hechtien. Einige wenige Exemplare strecken ihre Körper auch aus den Hechtien hervor, die Epidermis dieser Pflanzen ist dunkelgrün. Ungeschützte Pflanzen zeigen eine hellgelbe, teilweise rötliche Verfärbung. Betastet man die Körper so stellt man neben einer starken Erwärmung und geringem Turgor fest, dass die Epidermis glatt und ohne jegliche Vertiefungen durch ehemalige Wollflocken ist. Die Pflanzen besitzen einen gedrungenen Körperbau, ihr Durchmesser liegt zwischen 10 und 18 cm bei einer Höhe von 12 bis 20 cm. Die Rippen sind breit und weniger kantig geformt, bei einigen Exemplaren sind Querrippen gut erkennbar ausgeprägt. Die Areolen stehen ca. 1 cm auseinander.

Etwas weiter nördlich liegt in der Sierra Noala ein weiteres Verbreitungsgebiet in 1710 m Höhe über dem Meer. Hier herrschen ähnliche Gegebenheiten vor: das Gestein ist heller Kalkstein der in diesem Gebiet überall zu finden ist. Auf dem Südhang dominieren Hechtien die Vegetation und Astrophytum myriostigma var. nudum wächst innerhalb dieser „Bodendecker“. Bei mehreren Besuchen dieser Gegend im April wehte stets ein starker, recht böiger und um diese Jahreszeit auch kühler Wind. Als Begleitpflanzen sind neben Thelocactus tulensis (Poselger) Britton und Rose noch Echinocereus parkeri (Taylor) zu erwähnen. Astrophytum myriostigma var. nudum erinnert zwar an die südlichen Verwandten, doch man entdeckt bei genauer Untersuchung einige Unterschiede. Die Epidermis ist dunkelgrün mit einem leichten Anflug ins Bläuliche. Die Körperbasis ist ebenfalls breit, wobei der Pflanzenkörper aber mehr gestreckt und nicht gedrungen erscheint. Die Rippen sind kantiger ausgeprägt, die Areolen stehen dichter und erinnern an eine Perlenkette.

Untersucht man die Areolen der nudalen Myriostigmen genau, so stellt man unabhängig vom Standort fest, dass zwischen der grauen, filzigen Areolenwolle einzelne Dornen vorhanden sind (KLAUS, W. 1985). Allerdings sind diese ca. 3 mm langen Dornen nicht sehr stark haftend. Bei Berührung oder anderen mechanischen Einflüssen fallen sie leicht ab. Sämlingsbedornung bei Astrophytum myriostigma ist insbesondere bei Vermehrung von Material aus dem Jaumavetal bekannt. Mit zunehmendem Alter der Jungpflanzen verliert sich diese jedoch. Im Gegensatz dazu wird die atavistische Bedornung bei der nudalen Varietät auch im Erwachsenen- und Altersstadium beibehalten.

Die Erstbeschreibung von Rudolf Meyer enthält aus heutiger Sicht leider mehrere Schwachpunkte. Zum einen kommen am natürlichen Standort nach bisheriger Kenntnis nur Populationen vor die bezüglich ihrer Tendenz zur Flockenfreiheit mischerbig sind. Aus solchen Pflanzengemeinschaften lassen sich zwar problemlos reinerbig grüne Pflanzen züchten (u.a. GRÄSER, R. 1967) aber für eine moderne Definition einer „Varietät“ genügt das nicht. Auch eine geografische Isolation der Standorte von Astrophytum myriostigma v. nudum zum „normalen“ beflockten Astrophytum myriostigma ist wohl nicht gegeben. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Reduzierung bzw. dem Wegfall der Beflockung um einen Effekt handelt, der auf die Umgebungsbedingungen der hochgelegenen Habitate zurückzuführen ist. Weiter ist festzustellen, dass auch andere Pflanzengemeinschaften von „normalen“ Astrophytum myriostigma vereinzelt zur Flockenreduktion neigen wie etwa diejenige um Las Tablas oder Huizache, San Luis Potosi (KLESZEWSKI, K. P. 1994) und bei San Antonio, Tamaulipas (HOOCK, H. 1990). Rudolf Meyer unterlag auch einem grundsätzlichen Irrtum wenn er schreibt, die Wollflöckchen würden in Epidermisvertiefungen nachträglich auf den Pflanzen wachsen. Die Flocken entstehen immer in der Wachstumszone und wenn sie abfallen oder mechanisch entfernt werden hinterlassen sie eine kleine Vertiefung auf der Epidermis die nicht mehr durch Flöckchen besetzt wird.

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Astrophytum myriostigma var. nudum