Astrophytum myriostigma v. quadricostatum (Möll.) Baum, H.


Historie und Problemstellung
Die erste literarische Nachricht von vierrippigen Myriostigmen stammt wohl von Ludwig Mittler aus dem Jahr 1841. In seinem „Taschenbuch für Cactusliebhaber“ schreibt er auf Seite 19
„...Astrophytum. Von dieser neuen Gattung ist erst in jüngster Zeit eine Art, myriostigma, aus Amerika herübergebracht worden. Der Körper der Pflanze ist von länglich runder Form und hat vier Kanten. Die Blüthe ist in Europa noch nicht beobachtet
worden...“

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gelangten nur einzelne vierrippige Astrophytum myriostigma nach Europa und die Eigenart der Pflanzen zu wechselnden Rippenzahlen war schon bekannt. So berichtet Karl Schumann 1902 in einer kurzen Notiz darüber:
„…Unter den Variationen bemerken wir nicht selten Abwandlungen mit Erhöhung und Verminderung der Zahl der Rippen. In unserer Abbildung liegt eine Gestalt vor, welche durch das nicht häufige Vorkommen von vier Rippen ausgezeichnet ist. Ich verdanke die Abbildung der Güte meines Freundes Herrn DARRAH in Heaton Mersey…“.
Das Foto, wahrscheinlich das erste von Astrophytum myriostigma in der Literatur überhaupt, zeigt eine vierrippige Pflanze mit sehr großer Blüte, also offensichtlich aus dem Bundesstaat San Luis Potosí. Die Situation änderte sich mit der Entdeckung der Myriostigmen im Jaumavetal nach 1900. Dort treten Pflanzen relativ häufig mit, zumindest bis zum Erwachsenenstadium, konstanten vier Rippen auf. Nach der Erstbeschreibung durch H. Möller als Subspezies kombinierte H. Baum diese 1933 in eine Varietät um. In dem kurzen Artikel in der Kakteenkunde schreibt er selber, dass diese Pflanzen im Alter nicht selten Rippen einschieben. Seine Standortaufnahme verdeutlicht das Problem, es zeigt zwei Pflanzen mit zunächst vier Rippen, wobei sich bei der älteren zusätzliche Rippen im Scheitel eingeschoben haben.
Das Material welches Möller 1925 aus Mexiko erhielt und das zu 97 Prozent vierrippige Myriostigmen aufwies, war mit Sicherheit am Standort vorselektiert worden. Diese schönen und begehrten Stücke werden bis heute bevorzugt ausgesucht. So schreibt Charles Glass in seinem „Mexico- Logbook“, 1975, Library of Abbey Garden Press, Nr. 367 unter Nr. 3251/1971: „...we drove to the quarry just opposite the town of Los Ebanos [...] we climbed just a bit higher on the mountain side right by the road [...] also found a few A. myr. (and var. quadricostatum). Obviously some commercial collector had paid the natives to collect only the four angled bishop's cap for instead of hundreds, there were only a few raunchy four angled specimens left, among several 5,6,7 etc. angled specimens. Of course, there are undoubtedly many plants of the four angled form back deeper in the hills. It will be interesting to return to this spot in several years to see what percentages the 4-angled ones return to Los Ebanos...“
Wir wissen inzwischen, dass die Rippenzahl aller Astrophyten, am meisten bei Astrophytum myriostigma – am wenigsten bei Astrophytum asterias vom Alter abhängt, wenn man von dem ungeklärten, rippenlosen Taxon Astrophytum caput-medusae einmal absieht. Ein Varietätsrang oder eine Subspezies ist aus heutiger Sicht nur berechtigt, wenn es in der Natur Fortpflanzungsgemeinschaften gibt, die über gemeinsame, erbkonstante Eigenschaften verfügen. Aber selbst im Jaumavetal wachsen Myriostigmen mit verschiedenen Rippenzahlen nebeneinander, wenn auch der Anteil von minderrippigen Exemplaren wesentlich höher ist als an den Standorten in San Luis Potosí. Aus Sicht des Verfassers sind deshalb alle Taxa in der Gattung Astrophytum unberechtigt, die sich an der Rippenzahl orientieren. Die von Robert Gräser gezüchteten erbkonstanten vier- und dreirippigen Myriostigmen sind Kultivare ohne Entsprechung in der Natur. Er selber war ein genauer Kenner der Vererbungslehre und hat im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger immer vermieden unberechtigte Synonyme zu schaffen.

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Astrophytum myriostigma
Astrophytum myriostigma var. quadricostatum