Die systematische und taxonomische Historie der Arten, Varietäten und Formen


Die folgende Zusammenstellung zeigt die taxonomische und systematische Behandlung der Astrophyten durch verschiedene Autoren in historischer Abfolge. Während im 19. Jahrhundert das Bemühen nach botanischer Korrektheit im Vordergrund stand, haben sich im 20. Jahrhundert auch Laien, Kaufleute und Züchter an der Systematik versucht. Das Ergebnis war in wissenschaftlicher Sicht leider oft sehr mangelhaft, da etwa die Begriffe Spezies, Subspezies, Varietät und Form undefiniert und ungenau gebraucht oder durcheinandergeworfen wurden. Die Daten werden trotzdem hier vorgestellt um einen Überblick über all diese Versuche zu geben.

Heute orientiert man sich an einem strengen Artbegriff, der zur Reduzierung der anerkennenswerten Pflanzenpopulationen führt. In der Biologie gibt es wenige Begriffe, die so heftig diskutiert wurden wie derjenige der Art. Ohne auf diese Problematik näher einzugehen kann man aber sagen, dass gegenwärtig die Mehrzahl der Wissenschaftler eine Definition vertritt, die im wesentlichen auf Ernst MAYR zurückgeht. Danach ist eine Art eine natürliche Fortpflanzungsgemeinschaft, die sich von anderen durch konstante, vererbbare Merkmale unterscheidet und reproduktiv isoliert ist (MAYR, E. 1942, 1982).

1828 Candolle, D.C. beschreibt
Echinocactus ornatus
und damit das erste Astrophytum. Die Pflanzen werden aber erst 1896 durch Weber als eigene Art zu dieser Gattung gestellt (WEBER A. 1896 . D. Bois, Dictionnaire d' Horticulture Seite 467 Paris, Cactées).

1839 Lemaire, Ch. errichtet die Gattung Astrophytum, Einzige Art der Gattung ist
Astrophytum myriostigma

1845 Dr. Josef Gerhard Zuccarini beschreibt Echinocactus asterias, Arten der Gattung:
Echinocactus asterias
Echinocactus myriostigma

1845 Salm-Dyck betrachtet Astrophytum als Sektion von Echinocactus und bezeichnet diese als Asteroidei. Einzige Art der Gattung in der Sammlung:
Echinocactus myriostigma

1846 Förster, C. F. kennt zwar auch Echinocactus ornatus für die Asteroidei gibt es aber nur
eine einzige Art der Gattung. In der Systematik folgt er damit Salm-Dyck wie später auch Dietrich, A. (1851), Croucher, J. (1873), Rümpler, Th. (1886), Schumann, K. (1903), Schelle, E. (1907), Möller, H. (1927)
Echinocactus myriostigma

1850 Salm-Dyck, Arten der Sektion Asteroidei:
Echinocactus asterias
Echinocactus myriostigma

1851 Dietrich, A
. beschreibt
Echinocactus capricornis und kennt daneben auch
Echinocactus ornatus. Beide Arten bringt er nicht in Zusammenhang mit Astrophytum.

1868 Lemaire, Ch., Nachbeschreibung der Gattung Astrophytum, Arten der Gattung:
Astrophytum asterias
Astrophytum myriostigma

1886 Rümpler Th
., Arten der Gattung:
Astrophytum asterias
Astrophytum myriostigma und weiter kennt er
Echinocactus ornatus und
Echinocactus capricornis, bringt sie aber nicht in Zusammenhang mit Astrophytum

1903 Schumann, K. kennt unter Echinocactus die Gattung Astrophytum mit 4 Arten
Echinocactus myriostigma Salm-Dyck mit
var. columnaris K. Schumann
Echinocactus asterias Zuccarini
Echinocactus ornatus Pyramus De Candolle mit
var. glabrescens Weber
Echinocactus capricornus Dietrich mit
var. minor Runge u. Quehl

1922 Britton, N.L.; Rose, J.N. veröffentlichten in Vol. 3 die Gattung Astrophytum mit vier Arten. In der Ausgabe 1937 sind diese ebenfalls zu finden:
Astrophytum myriostigma Lem., erwähnen
var. columnaris und
var. nudus „in the trade“
Astrophytum asterias (Zucc.) Lemaire
Astrophytum capricorne (Dietrich), erwähnen
var. minor Purpus, C.A.
Astrophytum ornatum (De Candolle) Weber

1926 Berger, A. kennt unter Echinocactus die Gattung Astrophytum mit „3-4 Arten“
Astrophytum capricorne
Astrophytum myriostigma
Astrophytum asterias

1927 Möller, H.
zählt 4 Arten mit verschiedenen Subspezies und Varietäten. Er hat seine Beobachtungen aus umfangreichen Lieferungen von Originalpflanzen durch seinen Bruder Moeller, A.F. gewonnen. Seine Ausführungen gehören zu den wichtigsten und wertvollsten in der Astrophytum-Literatur.
Echinocactus asterias mit
var. nudus
Echinocactus capricornus mit
var. minor
var. senilis
var aureus
var crassispinus
Echinocactus myriostigma mit
subspecies quadricostatus
subspecies potosina das wiederum zwei Varietäten beinhaltet:
............var. columnaris
............var. nudus
subspecies coahuilensis
Echinocactus ornatus mit
var. glabrescens
var. Mirbelii

1929 Berger, A. zählt unter Echinocactus die Gattung Astrophytum mit folgenden Arten und Varietäten auf:
Echinocactus myriostigma mit
subsp. coahuilensis Möller
subsp. potosinus Möller
var. nudus Hort.
var. columnaris Hort.
var. quadricostatus Möller
Echinocactus asterias
Echinocactus capricornis
mit
var. minor Runge u. Quehl
var. senilis Fric
var. aureus Möller
var. crassispinus Möller,
Echinocactus ornatus mit
var. Mirbelii K. Schumann
var. glabrescens Weber

1930 Moeller, A.F. (unzulässig abgeändert durch Houghton, A. D., 1930). Er behandelt nur den Myriostigmenkreis und trennt in seinem Beitrag leider nicht konsequent nicht zwischen Form, Varietät und Art. Die folgende Zusammenstellung gibt den Sinn seiner Ausführungen am besten zum Ausdruck:
Astrophytum myriostigma mit:
var. potosina
var. columnaris
var. nuda
var. tamaulipensis
var. quadricostata
Astrophytum coahuilensis als eigene Art, obwohl er von diesen Pflanzen an anderer Stelle wieder als var. von A. myriostigma spricht.

1935 Kreuzinger, K. betrachtet Astrophytum capricorne v. senile als eigene Art und folgt damit Fric. Astrophytum coahuilense ordnet er in seiner Systematik zwischen Astrophytum capricorne v. minus und Astrophytum capricorne v. senile ein und betont damit die enge Verwandtschaft zu Astrophytum capricorne und der dazugehörigen Frucht.
Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne mit
Astrophytum capricorne crassispina
Astrophytum capricorne crassispina nuda
Astrophytum capricorne minor
Astrophytum senile
Astrophytum myriostigma coahuilensis
Astrophytum myriostigma
mit
Astrophytum myriostigma nuda
Astrophytum myriostigma potosina
Astrophytum myriostigma quadricostata
Astrophytum myriostigma tamaulipense
Astrophytum ornatum

1933 Okumura. Die Originalarbeit liegt nicht vor, die Systematik wurde rekonstruiert aus den Angaben von:

Megata:
"Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne mit:
var. minor
var. senile
var. aureum
var. crassispinum
var niveum
Astrophytum myriostigma mit:
subsp. coahuilense
subsp. potosinum v. nudum Hort.
Astrophytum ornatum mit:
var. Mirbelli
var. glabrescens"

Backeberg:
"Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne mit
var. crassispinum mit den Formen
........forma minor
........forma major
var. minus
var. niveum
var. senile
var. aureum
Astrophytum myriostigma mit:
subsp. coahuilense
subsp. quadricostatum
subsp. potosinum mit
.......var. nudum Hort.
.......var. columnare Hort.
var. columnare
f. tulense Hort.
f. tricostata Hort.
Astrophytum ornatum mit:
var. glabrescens
var. mirbelii"

1937 Borg, J. sei nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. In der Systematik sind gravierende Fehler enthalten (u.a.: Astrophytum capricorne var. majus Hort. (=crassispinum), var. niveum Hort.??)
Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne
mit:
var. majus Hort. (=crassispinum)
var. niveum Hort.
var. minus
var. senile
var. aureum
Astrophytum myriostigma mit
var. quadricostata
var. coahuilensis
var. potosina
var. tulensis Hort.
Astrophytum ornatum mit:
var. Mirbellii
var. glabrescens

1938 Werdermann-Socnic, das System war lange Zeit als die beste Taxonomie anerkannt. Aus heutiger Sicht muss man den Subspezies-Status von Astrophytum coahuilense unter A. myriostigma kritisieren. Ebenso ist eine Subspezies „potosinum“ unter A. myriostigma völlig unangebracht, da gerade die Typ-Pflanze von Lemaire aus San Luis Potosi stammte und damit als Leitpflanze dienen muss.
Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne
mit:
var. aureum
var. crassispinum
var minor
var. niveum
var. senile
Astrophytum myriostigma mit:
subsp. coahuilensis
subsp. potosinum
subsp. quadricostatum
Astrophytum ornatum mit:
var. glabrescens
var. Mirbelii

1944 Megata, M. hat die Grundlage für eine korrekte Systematik gelegt, die auch heutigen modernen Ansprüchen noch weitgehend genügt und von Hoock, H. 2003 im wesentlichen übernommen wird:
Astrophytum asterias
Astrophytum coahuilense
Astrophytum capricorne
mit:
var. minor
var. senile
var. aureum
var. crassispinum
var. niveum
Astrophytum myriostigma mit:
var. nudum
Astrophytum ornatum mit:
var. glabrescens
var. Mirbelii

1944 Gilkey, J. E. kommt in ”The Astrophytum Group” zu einer Gliederung, die auf verschiedenen Quellen beruht aus denen er auch alle Fehler übernommen hat und die deshalb leider nicht besser sein kann als die Originale:
Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne
mit:
var. major
var. minor
var. crassispinum
var. senilis
var. aurea
Astrophytum myriostigma mit:
var. coahuilensis
var. potosina
var. tamaulipensis
var. quadricostata
var. columnaris
var. nuda
Astrophytum ornatum mit:
var. mirbelii
var. glabrescens
var. glaucens

1957 Haage, W.; Sadovsky, O. zersplittern die Gattung Astrophytum in viele selbständige Arten, die nach heutiger Auffassung nicht berechtigt sind:
Astrophytum asterias
Astrophytum coahuilense
Astrophytum niveum
Astrophytum capricorne mit
Astrophytum capricorne v. minor
Astrophytum senile
Astrophytum crassispinum
Astrophytum myriostigma tulense
Astrophytum myriostigma potosinum
Astrophytum myriostigma jaumavense
Astrophytum ornatum


1960 Backeberg ist ähnlich wie Sadovsky als „Splitter“ in der Gattung Astrophytum tätig gewesen, obwohl er im Gegensatz zu diesem große Felderfahrung hatte. Leider hat seine in Bezug auf die Astrophyten fehlerhafte Nomenklatur und Taxonomie, insbesondere im Myriostigmen- und Capricornekreis, im deutschen Sprachraum noch heute großen Einfluss. Ein Verdienst von Backeberg ist aber, dass er den Artrang von Astrophytum coahuilense ebenso wie Megata vertreten hat:
Astrophytum asterias
Astrophytum capricorne
mit:
var. minus
var. niveum
var. crassispinum
Astrophytum senile mit:
var. aureum
Astrophytum coahuilense
Astrophytum myriostigma
mit:
subvar. glabrum
subvar. nudum
subvar. tulense
var. potosinum
var. strongylogonum
var. quadricostatum
var. columnare
Astrophytum ornatum mit:
subvar. glabrescens
var. mirbelii

1979 Hirao, H. folgt im wesentlichen Backeberg. Er hat zusätzlich:
Astrophytum asterias f. nudum
Astrophytum myriostigma f. tricostatum und
Astrophytum ornatum f. spirale

1981, 1952 Ito, Y. repräsentiert mit vielen neuen Namen die gärtnerische Vielfalt der japanischen Astrophytum-Liebhaberei die sich nicht an den natürlichen Populationen in Mexiko orientiert. Sie sind botanisch meist unberechtigt, ebenso wie die Flut von Synonymen durch Sato, T. 1995 ff. Vor allem die Aufsplitterung unter Bezug auf die Rippenzahl, deformierte Blüten („striatipetalum“), Chlorophylldefekt („aureovariegatum“), Flockenfelder („pubesente“) oder Cristata-Formen („cristatum“) hat keine wissenschaftliche Bedeutung.
Astrophytum asterias mit:
f. cristatum Hort.
f. aureovariegatum Hort.
f. striatipetalum
var. nudum
var. pubesente
Astrophytum capricorne mit:
var. niveum
var. crassispinum
var. crassispinum nudum
var. majus
var. minus
Astrophytum senile mit:
var. aureum
Astrophytum myriostigma mit:
var. coahuilense
var. coahuilense f. cristatum
var. coahuilense pubesente
var. quadricostatum
var. quadricostatum pubesente
f. cristatum Hort.
var. caespitoum
var. tulense
f. tricostatum Hort.
var. nudum
var. nudum octogonum
var. nudum pubescente
var. columnare
var. columnare octogonum
Astrophytum ornatum mit:
var. mirbelii
var. glabrescens
var. glabrescens f. spirale Hort.
var. pubesente

2008 Hoock, H. orientiert sich am Artbegriff von Ernst MAYR und der Einteilung der Gattung von MEGATA auch wenn diese für Austrastrophytum den heutigen Regeln des ICBN nicht mehr entspricht. Die anerkannten Varietäten sind in der Regel auch reproduktiv durch getrennte Habitate isoliert, bedürfen aber noch der Diskussion. Diese erfolgt bei den Kapiteln für die jeweiligen Spezies.
Sektion Austrastrophytum Megata
(nach ICBN Astrophytum)
Astrophytum myriostigma (Typpflanze der Gattung) mit:
var. nudum
subsp. tulense
subsp. tamaulipense
Astrophytum ornatum mit:
var. mirbelii
Sektion Septentriastrophytum Megata
Astrophytum asterias
Astrophytum coahuilense
Astrophytum capricorne
mit:
var. aureum
var. crassispinum (zweifelhaft)
var. niveum und hier:
.......forma nudum
var. minus mit:
......cv. crassispinoides Hort.
var. senile
Untergattung Stimatodactylus Hunt
Astrophytum caput-medusae

Gattung Astrophytum
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