Dichogamie bei Astrophyten
Hoock, H. im Juli 2005


Astrophyten sind in aller Regel selbsinkompatibel (selbststeril). Das bedeutet, dass der Pollen der blühenden Pflanze diese nicht selbst befruchtet.

Der hierfür verantwortliche Mechanismus kann unter anderem in der Hemmung des Pollenschlauchwachstums liegen oder daran, dass die Zygote nicht lebensfähig ist. Einiges deutet darauf hin, dass die zuletzt genannte Ursache bei den Astrophyten zutrifft (Megata 1944). Selbstbestäubung kann aber auch durch Dichogamie verhindert werden, Dass diese in Ansätzen bei der Gattung Astrophytum auftritt ist zunächst sehr überraschend.

Man versteht unter Dichogamie das ungleichzeitige Reifen von Staub- und Fruchtblättern. In den meisten Fällen von dichogamen Pflanzen sind zuerst die Staubblätter reif. Dies entspricht dem normalen zeitlichen Ablauf der Organanlage der Blüte. Man bezeichnet diesen Vorgang als Proterandie oder Vormännigkeit, wenn zuerst die Fruchtblätter reifen als Proterogynie oder Vorweibigkeit.

Die Bilder zeigen voreilende Stempel (Narben) bei Astrophytum capricorne v. senile und einer Hybride: es kann bereits Pollen auf die Fruchtblätter gelangen bevor der Eigenpollen reif ist. Sollte dieser ein bis zwei Tage später zusätzlich die Narben belegen, so besitzen die fremden Pollenschläuche einen entscheidenden Vorsprung im Wettlauf zu den Samenanlagen. Bei sommerlichen Temperaturen findet bei Astrophyten etwa 48 Stunden nach Bestäubung die Befruchtung statt. Vorweibigkeit verhindert also nicht nur Selbstbestäubung, sondern fördert gleichzeitig Fremdbestäubung. Dies ist ein Vorteil, der dem Mechanismus der Selbststerilität fehlt.

Proterogyne Kakteenblüten sind bei hoch entwickelten Gattungen nicht selten. Als Beispiel sei hier die zygomorphe Blüte von Cleistocactus strausii genannt. Inwieweit die Bestäuber, hier Kolibris, durch Koevolution beteiligt sind, ist bisher kaum untersucht.

In der Sammlung des Autors blühen mehrere Astrophytum ornatum regelmäßig vorweibig. Ein Exemplar von Astrophytum asterias behält bei der Anthese am ersten Tag die Narben eng geschlossen und die Staubbeutel mit den reifen Pollen ragen mehrere Millimeter darüber hinweg. Dieses Asterias lässt sich am Tag der Blütenöffnung auch mit Fremdpollen nicht befruchten: offensichtlich ein Fall von Vormännigkeit.

Dichogames Verhalten bei Astrophyten ist gewiss nur ansatzweise und lediglich in wenigen Einzelfällen vorhanden. Es ist teils auch mit einer veränderten Position des Griffels und der Staubblätter während der Blütenonthogenese, so genannter Herkogamie verbunden. Die Zusammenhänge sind sehr komplex und nur erkennbar wenn umfangreichere Beobachtungen vorliegen.

Literatur:
HESS, D. (1983): Die Blüte, Eugen Ulmer GmbH: 318 ff
MEGATA, M. (1944), An Account of the Genus Astrophytum LEMAIRE in: Memoirs of the College of Agriculture, No. 56, Kyoto Imperial University
SIMON, W. (1968); Über die Befruchtungsverhältnisse einiger Kakteen: selbststerile Astrophyten, Stachelpost 4 (14) 5-7

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Gattung Astrophytum / Genus Astrophytum
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