Astrophytum capricorne v. minus (Runge & Quehl) Okumura Morphologie
Astrophytum capricorne v. minus ist selbst in eng begrenzten Arealen in seiner Erscheinungsform variabel. Wenn man davon ausgeht, dass die Kakteenhändler Runge und Haage bedacht waren interessante und neue Pflanzen anzubieten, wird klar, dass bereits damals eine Selektion der natürlichen Standort-Wuchsformen stattfand. Und es ist verständlich, dass wir heute oft Zweifel mit der richtigen Zuordnung ähnlicher Populationen haben. So sollte man die in der Erstbeschreibung genannten Kriterien nicht allzu eng sehen. Nach unserer jetzigen Erkenntnis sind es die folgenden Merkmale welche das Minus charakterisieren: kleiner Wuchs bei freistehenden Exemplaren, feine Dornen die als Gräsermimese eine optische Einpassung in der Natur ergeben, weniger und feinere Flocken als beim Typ die im Neutrieb weiß bis gelblich aber nicht braun sind, eine schnelle Blühfähigkeit der Sämlinge und die samenreichsten Früchte aller Astrophyten. Astrophytum capricorne v. minus ist vermutlich die höchstentwickelte Varietät unter allen bekannten Capricornen.
Körper unverzweigt, in der Jugend noch kugelig, im Alter säulig, dunkelgrün; schlanker als A. capricorne.
Durchmesser: Erwachsene Pflanzen 4(8)10 cm, abhängig vom Standort in Mexiko.
Höhe: 13(17)21 cm, abhängig vom Standort in Mexiko.
Wurzel: feine Wurzeln, nicht abweichend von A. capricorne.
Rippen (8)10, scharfe Rippenkanten wie der Typ, meist gewellt zwischen den Areolen. Die normale Rippenzahl acht ist unabhängig vom Alter der Pflanze sehr konstant.
Dornen: 5(9)11, fein, gedreht und um den Körper gebogen. Die Dornen bleiben in der Kultur an der ganzen Pflanze erhalten, sie fühlen sich deutlich weicher an, als etwa beim A. capricorne v. senile. An den Standorten sind die Pflanzen im unteren Körperbereich oft dornenlos soweit sie in bodendeckender Begleitpflanzung stehen ( mechanisch bestoßen?!).
Flocken weiß bis leicht gelblich im Neutrieb, nie dunkelbraun, meist fein und wenig dicht.
Areolen rund, mit cremefarben bis hellbraunen Haaren im Neutrieb. Die Areolenhaare werden nach ein bis zwei Jahren weiß bis grau. Areolendurchmesser uncharakteristisch. Die Areolen sind in einem variablen Abstand von 1(1.5)2 cm angeordnet.
Blüten aus dem Vegetationspunkt, 65(76)105 mm Durchmesser, gelb mit rotem, orange oder selten reingelbem Schlund. Stempel mit 7(8)11 Narben. Blühreife ungepfropft nach ca. 3 Jahren, offensichtlich evolutiv hochentwickelt.
Frucht insbesondere am unteren Bereich intensiv rosa bis rot gefärbt (Fruchtverbreitung durch Vögel, Nagetiere?). Sie öffnet im reifen Zustand unten und klappt auf, soweit es die Dornen zulassen. Reifezeit 22(27)34 Tage.
Samen an rosafarbigen, gequollenen Samensträngen die offensichtlich der Verbreitung durch Ameisen oder Nagetieren (Vögel?) dienen. Samenfarbe von hell rostfarben bis dunkelbraun. Die Farbe wird mit der Reifedauer wie bei allen Astrophyten dunkler. Samenzahl pro Frucht 100(238)375. Ca. 1.5 mm groß, mützenförmig.
Sämlinge mit sehr kurzen, spitzen Keimblättern. Hypokotyl sehr sukkulent, rotviolett, fast kugelförmig reduziert. In den ersten Wochen und Monaten mit hellfarbigen Dornenrudimenten. Die Sämlinge unterscheiden sich in den ersten Wochen nur sehr wenig von A. capricorne.
Mimese Die Pflanzen sind an den freiliegenden, sichtbaren Partien von gekräuselten, feinen Dornen bedeckt, die vom trockenen Gras an den natürlichen Standorten auch farblich nicht zu unterscheiden sind (perfekte "Gräsermimese").
1892 Erstbeschreibung von Echinocactus capricornis v. minor (Astrophytum capricorne v. minus) RUNGE, C.; QUEHL, L. (1892): Echinocactus capricornis DIETR. var. minor RUNGE Monatsschrift f. Kakteenkunde 2 (6): 82
Bilder zur Morphologie von A. capricorne v. minus (1)
Bilder zur Morphologie von A. capricorne v. minus (2)
Bilder zur Blüte von A. capricorne v. minus
Bilder zu Frucht und Samen von A. caprricorne v. minus
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