Astrophytum capricorne, Feldnotizen
Rinconada, Nuevo Leon
Donnerstag 19.12.1985
In Begleitung von Uli. Es ist ein kalter, stark bewölkter Tag. Im TV war zu sehen, dass in den angrenzenden USA Schnee fiel. Wir fahren kurz nach Rinconada durch ein trockenes Flussbett und begehen ganz in der Nähe einen leicht geneigten Südhang. Die Mimese von Astrophytum capricorne ist hier perfekt, aber sie kommt nicht an die Varietät Minus von La Rosa heran. Es ist eine intakte und noch zahlreiche Population vom Sämling bis zu sehr alten Exemplaren. Der Hang scheint wenig beweidet zu sein, obwohl wir im Tal einen Hirten mit Ziegenherde trafen. Alle Pflanzen besitzen 8 Rippen (die Erstbeschreibung der Pflanze aus Rinconada hatte 7 Rippen!?!), dünne bis sehr starke Dornen, rostrote Flocken im Neutrieb. Bei manchen Astrophyten sind die Flocken im Scheitel allerdings nur rosa oder sehr wenig gefärbt (fehlender Neutrieb?). Der Boden ist lemig-sandig, durchsetzt mit braunen metamorphisierten Kalksteinen und -platten.
Rinconada, Nuevo Leon
Mittwoch 09.01.1991
In Begleitung von Heinzito. Das Wetter ist wieder schlecht, nebelig, die ganze Gegend nass vom vorhergehenden Regen. Meine Fotos werden wohl auch diesmal nicht besonders gut ausfallen. Jetzt nach 6 Jahren finde ich am selben Berg nur noch wenige Astrophyten. Javier ein 14-jähriger Eselreiter sagt, dass die Pflanzen (ich zeige ihm ein Foto) höher oben (arriba) wachsen. Auch weiß er, die Agave lechuguilla würde weder von Ziegen noch Eseln gefressen, aber wo kommen dann die zahlreichen Verbisse im Kern der Agaven her? Meine Schuhe möchte er haben (deutsche Bergstiefel). Da ich sie noch bis Mexiko-City mehrfach brauche schenke ich ihm zum Trost 15 000 Pesos.
Zurück allein am Berg, den Blick suchend auf den Boden gerichtet, überfällt mich plötzlich ein unangenehmes Gefühl. Als ich hochblicke steht wenige Meter vor mir ein großer, schwarzer, streunender Hund. Wir blicken uns in die Augen. Er bewegt sich nicht aber zeigt mir seine weißen Zähne. Der Klügere gibt nach und so gehe ich Schritt für Schritt langsam rückwärts ohne ihn aus den Augen zu lassen. Schließlich fühlt er sich nicht mehr bedroht und setzt seinen für mich unsichtbaren Weg im Trab fort.
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Astrophytum capricorne