Astrophytum asterias, Feldnotizen


Tamaulipas, 31.12.1985
Extrem heißer, wolkenloser Tag mit über 30 Grad Celsius im Schatten.
Auf dem Weg hierher liegt ein ausgebrannter Omnibus am Straßenrand, Pflanzungen mit Papaya (Früchte noch unreif), Orangen, Zitronen, Zuckerrohr, viele Raubvögel auf den Bäumen und Telegrafenmasten, eine tote Eule mit großen Ohren auf der Straße...
Ein alter Mann per Burro erzählt uns, dass ein Hombre (Europäer) hier vor kurzem Pflanzen zum Verkauf sammelte, man habe die Polizei kommen lassen...
Das Gelände wird offensichtlich regelmäßig überschwemmt, leichte Mulden und sanfte Hügel, Tümpel, Bewuchs mit mannshohen Büschen durchsetzen Grasflächen. Teils steinige Partien mit rotbraunen, bis faustgroßen Steinen. Die Astrophyten sind durch ihre Mimese sehr schwer zu finden und wachsen auch am Buschrand, vorzugsweise aber in den offenen Stellen.
Der Boden ist lehmig mit etwas Humusanteil, feucht, die Pflanzen stehen prall gefüllt mit Wasser.
Alle Pflanzen 8-rippig, nur eine mit 7 Rippen, ein Exemplar mit Chlorophylldefekt. Die Flocken haften sehr fest, wo sie fehlen deutliche Grübchen in der Epidermis. Der Scheitel ist bei den meisten leicht eingesenkt und mit angeschwemmtem, ausgetrocknetem Lehm bedeckt.
Ameisen, soviele wie bisher an keinem Astrophytum-Standort: vorwiegend große, rote Arten.
Es sind keine Fruchthüllen oder Blütenreste, auch nicht in der näheren Umgebung der Pflanzen zu finden.
Pflanzenpopulation von kleinen (2-3 cm Durchmesser) bis größeren (7 cm) Exemplaren; zerstreute Anordnung. Keine Anordnung der Pflanzen in Ameisenstraßen.
Anemochorie im Grasland möglich, Hydrochorie bei Überschwemmungen nicht ausgeschlossen.

Tamaulipas, 04.01.1986
Der alte Indio hatte uns am 31.12.1985 einen weiteren Standort von Asterias, etwa 1 km Luftlinie entfernt beschrieben.
Es befinden sich hier wesentlich größere Pflanzen mit bis zu 10 cm Durchmesser mit wesentlich stärkerer Beflockung. Jungpflanzen bis 4 cm sind noch wenig beflockt. Der Lehm ist heller.
Wieder alle Exemplare achtrippig. (Mit einer einzigen Ausnahme: 3 cm Durchmesser, 7-rippig).
Die Flocken und Areolen wirken als Lehmfänger, dadurch verbesserte Mimese.
Beide Standorte sind "Inseln" im bewirtschafteten Gelände und jeweils auf etwa 100-200 Quadratmeter beschränkt. Innerhalb dieser "Inseln" treten die Asterias-Populationen konzentriert auf; Alt- und Jungpflanzen gemischt mit bis zu 10 Pflanzen auf max. 25 Quadratmeter. Das Gelände wird von Eseln und Ziegen beweidet, Kotreste überall, 3 angebundene Esel nebenan im Gebüsch.

Tamaulipas, 11.01.1991
Wolkenlos, heiß, nachmittags 27 Grad Celsius im Schatten.
In der Nähe der Standorte von 1985 / 86:
Die letzten Jahre müssen sehr trocken gewesen sein, das Gras ist ausgedorrt (damals war es grün), außerdem wurde mit Großgeräten eine Straßentrasse durch die Astrophytum-Populationen gezogen. Enorme Erosionsrinnen, Sand- und Lehmeinschwemmungen zeugen von einzelnen, elementaren Regengüssen.
Blattschneiderameisen demontieren einen grünen, (noch) belaubten Strauch. Samenverbreiter?
Einheimische Jäger mit gehäuteten Kaninchen berichten uns, dass hier Deutsche oft Peyote suchen.
Eine Frau mit Baby (Enkel) bestätigt: hier habe sie noch nie! Schnee gesehen.
Die Bäume gehören verschiedenen Gattungen an u.a.: Acacia, Prosopis (wegen fehlender Blüten und wegen Zeitmangel schwer zu entscheiden). Diverse Gräser (meist dürr), halbhohe Sträucher mit grauen, rundlichen Blättern??
Viele weiße, spitze Schneckenhäuser die aus der Erde ausgeschwemmt wurden; mehrere orange-rote Falter.
Die Astrophytum-Populationen sind weitgehend zerstört. Wir finden einzelne Pflanzen an anderer Stelle, jedoch keine existenzfähige Population. (Anm.: Heinzito hat später von einer Pflanze eine schöne Zeichnung angefertigt.)
Ein trauriger Tag.

Texas, 23.05.1994
Leicht bedeckter Himmel (1-2 Drittel des Himmels), heiß-schwüler Tag, etwa 35 Grad im Schatten.
Komplizierte Tour zum Standort, der Landeigentümer fährt uns die letzte Distanz etwa eine Meile mit seinem Wagen voraus...
Die Hitze wird vom Boden reflektiert. Sandig, kaum Humus, trocken. Das Gestein ist bis etwa faustgroß, vorwiegend braun bis rostrot (Kalk, metamorphisiert). Viele weiße Schneckengehäuse wie in Tamaulipas.
Gelände sanft gewellt, max. Höhendifferenzen 10 m. Von Rindern beweidet.
Etwa 100-200 Asterias, alle 8-rippig, flach im Boden (eine Ausnahme). Die Pflanzen unterscheiden sich in keiner Weise von denjenigen in Tamaulipas. Keine Rippenkanten. Wenige, feine Flocken, z.T. bogenförmig angeordnet. Alle Pflanzen abgeblüht, mehrere geöffnete Früchte. Die Samen sind klein!!, rotbraun bis fast schwarz, bis etwa 20 cm um die Pflanzen herum verstreut. Ameisen in einer reifen Frucht. Alle Asterias stehen gut im Saft (hoher Turgor) aber viele sind rotbraun gefärbt. Vermutlich wegen der extremen Sonneneinstrahlung. Sie stehen kaum beschattet (das sah ich in Tamaulipas etwas anders). Durchmesser von 2-10 cm, vorwiegend um die 4-6 cm. Meist in Gruppen: 5-10 Stück auf 2 Quadratmeter, dann wieder Lücken. Das Gesamtgebiet umfasst max. 5000-10.000 Quadratmeter das durch eine Straße in zwei Populationen getrennt ist.
Vier große Exemplare von Hasen angefressen. Eines aus der Zentralachse sprossend, beide Kindel bereits wieder normalrippig und schön tiefgrün.
Begleitvegetation ein sehr lockerer, offener Trockenbusch mit Akazienbestand, nicht höher als 3-4 Meter. Buffle grass steht in Blüte (zart-violette Rispen); am Standort eingeschleppt; gefährdet die Astrophyten, bildet aber z.T. Sonnenschutz vor allem bei freistehenden Pflanzen.

Literatur vom Autor:
Ein Zufall mit weitreichenden Folgen...
Am Standort von Astrophytum asterias in Texas..
Eine Überraschung am Standort von Astrophytum asterias...

Erstbeschreibung von Astrophytum asterias
Übersicht über Astrophytum asterias
Zeichnung von Astrophytum asterias
Jäger mit Feldhasen am Standort
Schneckenhäuser am Standort von Astrophytum asterias
Bilder von Astrophytum asterias
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