HOOCK, H. 1993 . Kakt. and. Sukk. Band: 44 Heft (2) Seite 37-44 Ist Astrophytum coahuilense (MOELLER) KAYSER ein Naturhybrid?
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Ist Astrophytum coahuilense (MÖLLER) KAYSER ein Naturhybrid?

1. Historischer Rückblick

1911 erwähnte der zu seiner Zeit angesehene Kakteensammler Rudolf MEYER in der deutschen Monatsschrift für Kakteenkunde erstmals rotschlundig blühende "Astrophytum myriostigma" (LEM.). Sie befanden sich unter einer Importsendung aus Mexiko, die soeben den Gärtner GRÄSSNER in Perleburg erreicht hatte. Heute wissen wir, daß es sich hierbei um Astrophytum coahuilense gehandelt haben muß. Der Artikel von MEYER blieb aber leider unbeachtet, sodaß noch 16 Jahre bis zur Erstbeschreibung der Pflanzen vergingen (Tabelle 1).

Die Entdeckung dieser schönen Astrophyten ist Dr. Carl PURPUS zu verdanken, der sie schon 1904 auf seinen Reisen durch Coahuila in Mexiko neben vielen anderen interessanten Sukkulenten sammelte. Bei seinen oft abenteuerlichen, einsamen Streifzügen hatte er die "weiße" Form von Astrophytum myriostigma am Cerro Bola und in der Nähe von Torreon gefunden. Er und sein literarisch tätiger Bruder Josef Anton unterschieden sie von der seit 1839 bekannten "grünen" Form aus dem weit entfernten San Luis Potosi, durch die äußerst dichte Beflockung der Epidermis, die ihr das typisch weiße Aussehen gibt. In verschiedenen eindrucksvollen Standortschilderungen betonen sie immer wieder die unglaublich perfekte optische Anpassung der coahuilen Myriostigmen an ihre Umgebung. Sie sind in Form und Farbe vom Kalkgestein ihrer Heimat praktisch nicht zu unterscheiden. Aber weder Carl noch sein Bruder Josef Anton kannten offensichtlich die wichtigen Fakten, wodurch sie sich vom GALEOTTI-Myriostigma so unverkennbar unterscheiden: die rotschlundige Blüte und die rote, samenreiche Frucht mit der basalen Öffnung.

Heinrich MÖLLER, ein ebenfalls bekannter Astrophytumspezialist der 20-er Jahre, stellte durch aufschlußreiche Kreuzungsversuche fest, daß sich die "grünen" und die "weißen" Myriostigmen gegenseitig nicht befruchten lassen. Obwohl ihm außer der Sterilität auch alle anderen wesentlichen Unterschiede bekannt waren, entschloß er sich 1927 in seiner Erstbeschreibung lediglich zur Aufstellung einer Subvarietät. Er nennt die weiße Bischofsmütze "Echinocactus myriostigma subspecies coahuilensis". Konrad KAYSER, Neffe des berühmten tschechischen Feldforschers A.V. FRIC, wagte 1932 den entscheidenden Schritt. Er kombinierte den PURPUS-Fund zur selbständigen Art um und bezeichnete ihn nach seiner Heimat als "Astrophytum koahuilense". Seither ist diese Auffassung sehr umstritten. Obwohl erfahrene Kenner der Gattung sie später mit weiteren Argumenten unterstützten (M. MEGATA, 1944; Tabelle 3), ist die Zustimmung nach wie vor sehr unterschiedlich. Viele Autoren, vor allem im englischen Sprachraum, vertreten auch heute noch die Auffassung, Astrophytum coahuilense sei lediglich eine Varietät oder gar nur Form der von GALEOTTI entdeckten "grünen" Myriostigmen (Tabelle 2). Warum ist das so?

2. Das Artproblem am Beispiel von Astrophytum coahuilense

In der Biologie gibt es wenige Begriffe, die so heftig diskutiert wurden wie derjenige der Art. Ohne auf diese Problematik näher einzugehen kann man sagen, daß gegenwärtig die Mehrzahl der Wissenschaftler eine Definition vertritt, die im wesentlichen auf Ernst MAYR zurückgeht. Danach ist eine Art eine natürliche Fortpflanzungsgemeinschaft, die sich von anderen durch konstante, vererbbare Merkmale unterscheidet und reproduktiv isoliert ist (MAYR, E. 1942, 1982). Versuchen wir am Beispiel von Astrophytum coahuilense diesen zunächst etwas theoretisch anmutenden Satz in der Praxis anzuwenden.

Die coahuilen Bischofsmützen besiedeln Gebiete im südwestlichen Coahuila, teils auch Randzonen der angrenzenden Staaten Durango und Zacatecas. Ihre Hauptverbreitung liegt in der Sierra Baicuco, der Sierra Parras aber auch etwas südlicher in der Sierra El Numero. Überall finden sich völlig intakte Populationen mit Pflanzen jeden Alters, sodaß die erste Bedingung der Artdefinition einer "natürlichen Fortpflanzungsgemeinschaft" erfüllt ist.

Astrophytum coahuilense besitzt in seiner äußeren, dornenlosen Form und im allgemeinen mit den fünf Rippen eine überraschende Ähnlichkeit mit Astrophytum myriostigma. Es unterscheidet sich aber in allen Merkmalen bezüglich Blüte, Frucht, Samen und Keimling, die ihrerseits bis ins Detail dem Astrophytum capricorne (DIETR.) BR. & R. entlehnt sind. Dessen Areale reichen in Coahuila weit in die Sierra de Parras und Sierra Baicuco, sodaß sich auch Überschneidungen mit den Gebieten der Coahuilensen ergeben. Die von MÖLLER/KAYSER genannten Unterschiede in Blüte, Frucht, Samen und Keimling sind konstant, erblich und reichen in allen Fällen aus um Astrophytum coahuilense in der Natur oder in der Kultur problemlos von Astrophytum myriostigma zu unterscheiden.

So bleibt nur noch die Frage offen, ob es in der Natur zu lebensfähigen Nachkommen zwischen den "weißen" und "grünen" Myriostigmen kommt, oder ob sie "reproduktiv isoliert" sind. Sie ist leicht zu beantworten. Zwischen dem nördlichsten Areal der Myriostigmen bei Jaumave in Tamaulipas und den südlichsten Populationen der Coahuilensen im Dreiländereck Coahuila/Durango/Zacatecas liegt eine für Bestäuber unüberwindliche geographische Distanz von über 350 Kilometer Luftlinie. Aber davon abgesehen existiert eine biologische Fortpflanzungsbarriere. Astrophytum coahuilense und Astrophytum myriostigma ergeben bei gegenseitiger Blütenbestäubung weder Fruchtansatz noch Samen: sie sind untereinander steril.

Astrophytum coahuilense erfüllt also sämtliche Kriterien einer modernen Artdefinition, die von der heutigen Wissenschaft gefordert sind. Aus welchen Gründen halten aber dann soviele Botaniker und Feldforscher immer noch daran fest, das Coahuilense sei lediglich eine Varietät oder Form des Myriostigma? Es gibt tatsächlich Einwände die, zwar unausgesprochen oder auch unbewußt, dennoch sehr schwerwiegend sind. Die Körperform von Astrophytum coahuilense und Astrophytum myriostigma weist einen so hohen Grad an spezifischer Übereinstimmung auf, daß dieses als Ergebnis zweier getrennter Entwicklungen innerhalb einer einzigen Gattung nicht erklärbar ist. Es muß eine enge, bisher nicht formulierte Verbindung zwischen den beiden Bischofsmützen existieren, die eine Anerkennung des Artranges von Astrophytum coahuilense erschwert.

3. Die Entstehung von Astrophytum coahuilense

Weder die Übereinstimmung der beiden Bischofsmützen in ihrer äußeren Bauform, noch diejenige in Blüte, Frucht, Samen und Keimling zwischen Astrophytum coahuilense und Astrophytum capricorne sind durch parallele Entwicklungslinien erklärbar. Es liegt auf der Hand, daß das Coahuilense als Nachfahre von natürlichen Hybriden zwischen reingelbblütigen "Ur"-Myriostigmen und rotschlundigen "Ur"-Capricornen aufgefaßt werden muß. Es besitzt Merkmale aus beiden Astrophytumgruppen und seine Heimat ist am südlichen Rand des Capricorneareales, den Myriostigmenhabitaten benachbart.

Die Sterilität des Coahuilense gegenüber den Myriostigmen und die Teilsterilität zu Astrophytum capricorne v. senile (FRIC) OKUM., seinem gemeinsamen Partner im heutigen Areal, ist eher ein Beweis für die enge Verwandtschaft, als gegen sie. Eine Kreuzungsbarriere zwischen Naturhybriden und ihren Ausgangsformen ist in der Botanik sehr häufig zu finden. Sie ermöglicht in vielen Fällen erst die Abgrenzung zur neuen Artbildung. Ohne sie würden sich die Mischpopulationen schnell zu einer einzigen Fortpflanzungsgemeinschaft zurückentwickeln. Möglicherweise verdanken wir die Existenz von Astrophytum coahuilense hauptsächlich seiner Sterilität zu Astrophytum myriostigma und Astrophytum capricorne v. senile nach dem Hybridisierungsvorgang.

So sehr die Blüte der "weißen" Bischofsmütze in ihren Einzelheiten dem Astrophytum capricorne Komplex entstammt, so interessant ist dennoch eine aufschlußreiche Abweichung in der Anordnung der Staubfäden. Hier lassen sich deutlich zwei Gruppen unterscheiden, wie sie nur Astrophytum myriostigma und Astrophytum ornatum (DC.) WEB. aufweisen. Die Länge der Blütenachse nimmt eine Mittelstellung zwischen Astrophytum myriostigma und Astrophytum capricorne ein. Dies kann ein direktes Ergebnis des Kreuzungsvorganges sein, wahrscheinlicher ist aber eine allmähliche evolutive Reduktion der Blütenlänge von ursprünglich Capricorneabmessungen, bedingt durch den Wegfall der Dornen bei den Hybriden.

Naturhybriden sind oft am vervielfachten Chromosomensatz zu erkennen. Dieser als Polyploidie bekannte Effekt ist in der Familie der Kakteen bei Opuntien mehrfach nachgewiesen. In der Gattung Astrophytum besitzen Astrophytum asterias (ZUCC.) LEM., Astrophytum capricorne, Astrophytum ornatum und Astrophytum myriostigma die einfachen Chromosomensätze (2n = 22). Astrophytum coahuilense wurde in dieser Hinsicht bisher leider nicht untersucht. Sollte es polyploid sein, wäre das ein weiterer wichtiger Hinweis auf seine hybride Entstehung.

4. Die Evolution der Astrophyten

Während eiszeitlicher Klimaschwankungen in den vergangenen Erdepochen war die gesamte mittelamerikanische Flora in mehrfache Nord-Süd bzw. Süd-Nord Wanderungsbewegungen eingebunden (Figur 1). Die Vorläufer der Astrophyten spalteten sich hierbei vermutlich frühzeitig in einen mit konservativen Merkmalen ausgestatteten Südkomplex und eine höherevolierte Gruppe im Norden, wobei die coahuilen Gebirgsketten der Sierra Madre Oriental eine entscheidende Trennfunktion bewirkten (Figur 2). Bei einer späteren Umkehr der Wanderbewegung trafen beide Pflanzengemeinschaften offensichtlich im heutigen Südcoahuila aufeinander. Zu diesem Zeitpunkt muß der entwicklungsgeschichtliche Unterschied zwischen diesen Populationen deutlich geringer gewesen sein als heute. Eine Hybridisierung und damit die Geburt des Astrophytum coahuilense war möglich (Figur 3).

Im weiteren Verlauf andauernder Klimaverschlechterung zogen sich die Myriostigmen auf die heute bekannten Gebiete nach Süden zurück - eine große astrophytenfreie Distanz zwischen ihnen und dem Coahuilense-Areal entstand (Figur 4). Vielleicht warten aber in der unwegsamen Gegend des nordöstlichen Zacatecas noch unbekannte Refugien dieser Pflanzen auf ihre Entdeckung?

5. Zusammenfassung

Ist Astrophytum coahuilense als selbständige Art berechtigt oder sind diese Pflanzen lediglich eine Form/Varietät des Astrophytum myriostigma? Diese Frage ist seit der Entdeckung der "weißen" Myriostigmen in Coahuila immer wieder diskutiert worden. Sie war deshalb schwierig zu beantworten, weil die äußere Ähnlichkeit der beiden Taxa, aber auch die Übereinstimmung in Blüte, Frucht, Samen und Keimling von Astrophytum coahuilense mit Astrophytum capricorne, eine parallele Entwicklung innerhalb derselben Gattung als Erklärung ausschließen. Sie sprechen vielmehr für eine sehr enge Verwandtschaft sowohl zum Myriostigmen- als auch zum Capricorne-Komplex (Tabelle 4).

Alle Fakten deuten daraufhin, daß Astrophytum coahuilense durch eine natürlichen Kreuzung zwischen einer höher evolierten Astrophytum-Nordgruppe und einer noch ursprünglicheren Astrophytum-Südgruppe entstand. Während eiszeitlich bedingter Florawanderungen müssen sich deren Areale nach bereits erfolgter Trennung in Höhe der heutigen Sierra Baicuco/Parras nocheinmal berührt haben. Die bei der Hybridisierung eingetretene Sterilität des Astrophytum coahuilense gegenüber seinen Ausgangsarten ermöglichte eine eigene Entwicklung, deren Ergebnis alle modernen wissenschaftlichen Kriterien zur Anerkennung als selbständige Art erfüllt.

Texte zu den Diagrammen und Bildern

Figur 1:
Die Entstehung der Gattung Astrophytum kann man etwa im Gebiet des südlichen, mexikanischen Hochlandes annehmen. Dort befindet sich mit Astrophytum ornatum heute die Art, welche noch die ursprünglichsten Merkmale aufweist.

Figur 2:
Durch eiszeitliche Florawanderungen hat sich vermutlich schon frühzeitig eine Arealteilung der Astrophytum-Population ergeben. Nördlich der heutigen Sierra de Parras entstand die mit moderneren Attributen ausgestattete Nordgruppe, während sich innerhalb der konservativeren Südgruppe durch Rippenreduktion, Kleinwuchs und Dornenverlust die Myriostigmen herausbildeten.

Figur 3:
Die klimabedingte Umkehr der Flora-Wanderungsrichtung zu einem späteren Zeitpunkt, verursachte das Zusammentreffen der Nord- und Südastrophyten in Höhe der heutigen Sierra Baicuco/Sierra Parras. Durch Kreuzung zwischen den Vorfahren der heutigen Capricornen und Myriostigmen entstand der Naturhybrid Astrophytum coahuilense.

Figur 4:
Die heutige geographische Verbreitung der Gattung Astrophytum ist vereinfacht dargestellt. Lediglich Astrophytum asterias konnte die Barriere der Sierra Madre Oriental in östlicher Richtung auf einem Umweg über das Rio Grande Gebiet durchbrechen. Auf seinem langen Wanderweg, der es letztlich wieder bis in die geographische Höhe der Nord-Myriostigmen führte, hat es die höchstentwickelten Merkmale aller Astrophyten erreicht.

Figur 5:
Die vermutliche evolutive Entwicklung der Gattung Astrophytum ist hier in der gewohnten Weise als zeitliche Abfolge und Unterschiedlichkeit der Merkmale schematisch dargestellt. Es sind nur die heute lebenden Linien wiedergegeben. Die geographischen Entwicklungsstufen nach Figur 1 bis 4 sind gekennzeichnet.

Abbildung:
Astrophytum coahuilense gleicht im äußeren Körperbau dem Astrophytum myriostigma fast völlig. Aber die rotschlundige Blüte, eine intensiv purpurfarbige, samenreiche Frucht und die Öffnung der Samenkapsel an der Basis stammen von den Merkmalen des Astrophytum capricorne. Auch die grünen Keimlinge die nach erfolgreicher Samenverbreitung mit stark reduzierten Keimblättern und sukkulenter Keimachse auflaufen, sind für die Capricornen typisch.

Kürzelverzeichnis:

Astrophytum asterias = AS, Asterias
Astrophytum capricorne = CA, Capricorne (Typ)
Astrophytum capricorne v. aureum = CAE, Aureum
Astrophytum capricorne v. minor = CAI, Minor
Astrophytum capricorne v. niveum = CAN, Niveum
Astrophytum capricorne v. senile = CAS, Senile
Astrophytum coahuilense = CO, Coahuilense
Astrophytum myriostigma = MY, Myriostigma, Potosinum
Astrophytum myriostigma v. columnare = MYC, Columnare
Astrophytum myriostigma ssp.tamaulipense = MYJ, Jaumave
Astrophytum myriostigma ssp. tulense = MYL, Tulense
Astrophytum ornatum = OR, Ornatum (Typ)
Astrophytum ornatum v. mirbelii = ORE, Mirbelii

Literatur (Auszug):

Anonym (1903): Die Reisen des Sammlers C.A. PURPUS in Mexiko im Jahre 1903, Die Gartenwelt VIII (32): 378-380

BRAVO-HOLLIS, H. (1958): Notas Acerca de una Gira Cactologica, Cact. Suc. Mex. 3 (3): 63-67

BRITTON, N. L.; ROSE, J. N. (1937): The Cactaceae - Descriptions and Illustrations of Plants of the Cactus Family, Carnegie Inst. of Washington: 182-185

FLORES, R. E. (1944): From Mexico, Cact. Succ. Journ. (US) 16 (7): 98-99

GLASS, C.; FOSTER, R. (1974): Strange Bedfellows, Cact. Succ. Journ. (US) 46 (3): 112

GOLD, D. B. (1965): Las Cactaceas del Estado de Coahuila, Cact. Suc. Mex. 10 (4): 102-104

KAYSER, K. (1932): Astrophytum myriostigma subspecies Tulense, Der Kakteenfreund 1 (6): 57-59

KRÄHENBÜHL, F. (1975): Eine besondere Bischofsmütze: Astrophytum coahuilense (MOELLER) KAYSER, Kakt. and. Sukk. 26 (9): 206-209

MAYR, E. (1942): Systematics and the Origin of Species, Columbia University Press, New York

MAYR, E. (1982): The Growth of Biological Thought, The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts

MEGATA, M. (1944): An Account of the Genus Astrophytum LEMAIRE in: Memoirs of the College of Agriculture, No. 56, Kyoto Imperial University: 1-62

MEYER, R. (1911): Über Echinocactus myriostigma S.-D. und Echinocactus asterias ZUCC., Monatsschrift f. Kakteenkunde 21 (6): 89-91

MÖLLER, A. F. (1930): Astrophytum myriostigma, Cact. Succ. Journ. (US) 1 (8): 156-157

MÖLLER, H. (1927): Beobachtungen an Astrophyten, Zeitschrift f. Sukkulentenkunde 3 (3): 52-55

OCHOTERENA, I. (1922): Las Cactaceas de Mexico, Universidad Nacional Autonoma de Mexico: 110-113

PURPUS, J. A. (1911): Standorte und Standortverhältnisse einiger Kakteen, Monatsschrift f. Kakteenkunde 21 (6): 82-86

PURPUS, J. A. (1914): Mimikry bei Kakteen, Möllers Deutsche Gärtner-Zeitung Jg. 29 (8): 89-91

VIERECK, H. W. (1939): Astrophyten, wie sie der Sammler in den Heimatgebieten sieht, Beiträge z. Sukkulentenkunde Jg. 1939 (1): 4-8

Tabelle 1

Historische Daten um Astrophytum coahuilense (MÖLL.) KAYS.

1911 J. A. PURPUS berichtet in der Monatsschrift für Kakteenkunde über Entdeckungen seines Bruders Carl in Mexiko, die zum Teil auf das Jahr 1904 zurückdatieren. Neben vielen anderen neuen Sukkulenten fand er in Coahuila eine "weiße" Form der Bischofsmütze, deren "grüne" Variante schon seit 1839 aus dem Staat San Luis Potosi bekannt ist.

1911 In derselben Zeitschrift wie J. A. PURPUS beschreibt R. MEYER rotschlundig blühende Myriostigmen aus der Sammlung GRÄSSNER, Perleberg.

1922 OCHOTERENA erwähnt ein Myriostigma, das bei Monterrey wachsen soll. Es kann sich dabei nur um die coahuile Bischofsmütze handeln. Aber kein Sammler hat sie jemals dort wieder gefunden.

1927 Kreuzungsversuche durch H. MÖLLER zwischen beiden Formen der Bischofsmützen schlagen fehl. Er beschreibt die Form aus dem Norden als Echinocactus myriostigma subsp. coahuilensis, da sich Blüten, Frucht und Sämlinge wesentlich von der Form in San Luis Potosi unterscheiden.

1932 Umkombination der Subspezies zur Art "Astrophytum coahuilense" durch K. KAYSER, veröffentlicht in der Zeitschrift Der Kakteenfreund.

1944 M. MEGATA wiederholte die Kreuzungsversuche der Vorgänger und betrachtet das Coahuilense als eigene Art, dem er später den Namen Astrophytum albissimum geben will.

1974 C. GLASS & R. FOSTER bestätigen durch eine Standortaufnahme die Aussage von Carl PURPUS, daß Astrophytum coahuilense und Astrophytum capricorne v. senile nördlich Viesca gemeinsame Areale bewohnen (die Autoren zitieren Astrophytum myriostigma v. coahuilense und Astrophytum capricorne v. minor).

Tabelle 2

Taxonomische Behandlung von Astrophytum coahuilense in der Vergangenheit

Jahr Autor Sprache Taxon Kommentar/Zitate

1903 Anonym de MY "...Coahuila...wächst hier...MY..."
1911 PURPUS, J.A. de MY (grauweiße Form von MY)
1911 MEYER, R. de MY "...Blumen...mit scharlachfarbigem Grun de..."
1922 OCHOTERENA, I me MY "...MY, conocido en Monterrey..."
1925 FRIC, A. V. ts MY "...Villa Lerdo, Monterrey..."
1925 ROST, E. C. en MY "...MY...die graue oder weißliche Form aus Coahuila..."
1927 MÖLLER, H. de MY (Erstbeschreibung als Subspecies)
1929 BERGER, A. de MY "...subspec. coahuilensis..."
1930 MÖLLER, A.F. de MY "...Astrophytum myriostigma v. coahuilensis..."
1932 KAYSER, K. de CO (Erstbeschreibung als Art)
1933 TSUDA, M. ja MY "...Astrophytum myriostigma f. coahuilense..."
1935 OKUMURA, Y. ja MY "...Astrophytum myriostigma subsp. coahuilense..."
1935 KREUZINGER, K. de CO (unter der Sektion II bei Capricorne)
1937 BRITTON, N.L. & en MY "...grayish-white form..."
1937 BACKEBERG, C. de CO "...Astrophytum coahuilense..."
1937 WERDERMANN, E. & de MY "...Astrophytum myriostigma subsp. coahuilense..."
1939 VIERECK, H.W.* de MY "...Varietät(?)..."
1941 MARSHALL, W.T & en MY "...Astrophytum myriostigma v. coahuilensis...(MÖLLER, A.)..."
1944 MEGATA, M. ja CO "...Astrophytum coahuilense..."
1944 GILKEY, I.E. en MY " Astrophytum myriostigma v. coahui lensis..."
1951 BORG, J. en MY "...Astrophytum myriostigma v. coahui lensis..."
1958 BRAVO-HOLLIS, H. me MY "...entre La Paila y La Cuchilla collectamos...MY..."
1960 FEARN, P. en MY "...Astrophytum myriostigma v. coahui lensis..."
1962 KRAINZ, H. de MY "...MY in einer hochwüchsigen Art in S-Coahuila..."
1965 GOLD, D. B. me MY "...MY (Coahuila)..."
1967 SUAREZ, V. M. me MY "...Birrete de obispo (Coahuila), MY..."
1974 GLASS, C. & en MY "...Astrophytum myriostigma v. coahuilense..."
1979 HIRAO, H. ja CO "...Astrophytum coahuilense..."
1979 SADOVSKY, O. & ts CO "...Astrophytum coahuilense..."
1980 LAU, B. me CO "...Astrophytum coahuilense...Bahio de Ahuichila..."
1981 ITO, Y. ja MY "...Astrophytum myriostigma v. coahui lense..."

Sp: Sprachraum (de = deutsch; en = englisch; me = mexikanisch; ja = japanisch ts = tschechisch)

CO/MY = Einordnung von Astrophytum coahuilense durch den zitierten Autor als: CO: Astrophytum coahuilense (eigene Art); MY: Astrophytum myriostigma (oder Subspezies, Varietät, Form)

Kommentar/Zitate: "..." vom Autor verwendete Nomenklatur bzw. Taxonomie im Originaltext

() Anmerkungen durch den Verfasser

Tabelle 4
Pollenkümmerformen in der Gattung Astrophytum nach Megata
------------------------------------------------------------------------
Taxon / Anzahl Pflanzen/ Anzahl Blüten /Pollendefekte M (%)
------------------------------------------------------------------------

OR 1/ 1 /4,62
MY 13/ 17 /12,79 + 7,52
CO 3 /3/ 14,17 + 6,13
CA 6/ 6/ 10,00 + 6,29
AS 7 /10 /10,00 + 5,12

Hybriden:
OR X MY 2/ 2/ 14,17 + 4,25
MY X AS 4/ 5/ 52,50 + 4,74
CO X AS 3/ 4 /33,75 + 7,39
CA X AS 12/ 18 /27,64 + 9,07
------------------------------------------------------------------------

Bei Hybriden findet man häufig mehr geschädigte Pollenkörner, als bei den Elternpflanzen. Astrophytum coahuilense liegt über den Werten von Astrophytum myriostigma und Astrophytum capricorne. Es ist durchaus möglich, daß diese Tatsache auf den Vorgang der natürlichen Hybridisierung zwischen beiden Spezies zurückzuführen ist, obwohl der Umfang des vorliegenden Materials eine statistisch gesicherte Aussage nicht zuläßt,. (Alle Daten nach MEGATA, M. 1944, S. 28)

Tabelle 3
Übereinstimmende Merkmale des Naturhybriden Astrophytum coahuilense mit den heutigen Myriostigmen und Capricornen
------------------------------------------------------------------------
Myriostigma Coahuilense Capricorne
(Jaumave) (Cerro Bola) (Parras)
------------------------------------------------------------------------
Rippenzahl von bis: (3-9) (5-8) 8
Flocken im Neutrieb: weiß weiß braun
Blütenachse: ca. 5-9 mm ca. 13-17 mm ca. 25-30 mm
Blütenmitte: gelb rot rot
Nektarkammerverschluß: Preßdruck Staminodien Staminodien
Fruchtfarbe: grün rot rot
Fruchtöffnung: oben unten unten
Samenzahl der Frucht: (30-100) (140-180) (110-220)
------------------------------------------------------------------------

Bilder:

Astrophytum coahuilense, Blüte und Frucht
Figur 1 und Figur 2
Tabelle 3
Figur 3 und Figur 4
Tabelle 4
Evolution von Astrophytum, Diagramm

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