HOOCK, H. 1990 . Kaktusy Band: 26 Heft (2) Seite 27-30 Prekvapeni na stanovisti Astrophytum asterias (Zucc.) Lem.
Eine Überraschung am Standort von Astrophytum asterias (ZUCC.) LEM.
Wer die Gelegenheit hatte Astrophytum asterias am Standort in Mexiko zu bewundern weiß, wie schwierig es ist diese Pflanzen zu finden. Zum Erfolg gehört nicht nur eine genaue Ortsbeschreibung durch einen Freund oder Bekannten, sondern manchmal auch zusätzlich eine Portion Glück. Diese Astrophyten sind optisch so perfekt an ihre Umgebung angepaßt, daß man sie im Habitat erst nach längerer Zeit und mit geübtem Auge zwischen Grasbüschel, Steinen und Schwemmsand erkennt.
Als ich im Januar 1986 eines der letzten Asterias-Refugien zwischen Llera und Gonzales in Tamaulipas aufsuchte, erging es mir nicht anders. Zunächst glaubte ich das Opfer einer ungenauen Wegbeschreibung zu sein: es handelte sich um ein Stück sandiges Grasland, locker mit Trockenbusch durchsetzt und intensiv von Ziegen beweidet, das zu einem nahen Indianerdorf gehörte. Nach einer Stunde vergeblicher Suche, innerlich schon zur Rückkehr nach Ciudad Victoria bereit, entdeckte ich das erste Astrophytum asterias. Und was für eine Pflanze! Rückschauend kann ich sagen, es ist das ungewöhnlichste Asterias das ich in Mexiko fand. Ich fand es gerade deshalb, weil es sich deutlicher als alle anderen von der Umgebung abhob.
Zunächst fiel auf, daß der Pflanzenkörper grün-gelb leuchtete und gut sichtbar aus dem Boden hervorragte. Alle anderen Astrophytum asterias am Standort besitzen eine tiefgrüne Farbe. Sie sind um die Jahreswende weit in den lehmig-sandigen Untergrund bodengleich zurückgezogen. Heftige Regengüsse haben zusätzlich feinen Sand und Steinchen in Rippenfurchen und Scheitel der Astrophyten verschwemmt: eine perfekte Mimese! Die genauere Untersuchung meines ersten Asterias ergab, daß die Epidermis partienweise kein Chlorophyll besaß. Die betroffenen Körperteile erschienen deshalb gelblich und leicht eingesenkt (Bild 1 und Bild 2).
Ähnliche panaschierte Astrophytum asterias oder "Variegaten" sind als Kulturpflanzen seit längerem bekannt. Sie werden vorzugsweise in Japan gepflegt, vermehrt und ähnlich dem roten Gymnocalycium mihanovichii (FRIC & GÜRKE) BR. & R. industriemäßig in der ganzen Welt verkauft (Bild 3). Versuche solche Pflanzen generativ zu vermehren hatten mir schon vor der Mexikoreise gezeigt, daß der Vererbungsmechanismus für den Chlorophylldefekt auch extrachromosal bestimmt ist. Er folgt deshalb nicht den bekannten MENDEL`schen Regeln. Normalkreuzung und Reziprokkreuzung unterscheiden sich in den Ergebnissen. Variegate Astrophytum asterias regenerieren bei Verletzung durch Sprosse die vorzugsweise reingrün oder reingelb sind. Nur selten sind sie panaschiert wie die Ausgangspflanzen.
Meines Wissens ist dieses Astrophytum asterias in Tamaulipas die erste variegate Wildpflanze der Gattung Astrophytum, die literarisch erwähnt wird. Sie ist 8-rippig, mit den charakteristischen reihenförmigen Flocken auf der Epidermis und mit einem Durchmesser von etwa 5 cm auch gewiß schon einige Jahre blühfähig. In ihrer Bestäuberweite waren über fünfzig durchwegs normalwüchsige, reingrüne Pflanzen angesiedelt, unter denen sich vermutlich die Eltern und wahrscheinlich auch Nachkommen des gefleckten Exemplars befanden. Dessen chlorophyllgeschädigte Partien schienen mir wegen der schmutzig-gelben Farbe eher eine virusbedingte Ursache zu besitzen. In diesem Falle wäre eine geschlechtliche Vermehrung dieser Eigenschaft nicht möglich. Aber auch bei einem vererbbaren Chlorophylldefekt besitzen so auffällige Astrophyten in ihrer Heimat kaum eine Überlebenschance, da sie relativ gut sichtbar von ihren Freßfeinden schnell selektiert werden. Oder verzichtet ein hungriger mexikanischer Esel vielleicht auf einen so anders, so gefährlich-giftig aussehenden "Leckerbissen"? Es wäre eine Erklärung dafür, daß mein panaschiertes Asterias am Standort überhaupt existiert.
Literatur (Auswahl):
FRIC, A. V. (1925): Rod Astrophytum, Zivot v Prirode 29 (10): 33-35
FRIC, A. V. (1925): Odrudy astrophyt, Zivot v Prirode 29 (11): 37-40
GRÄSER, R. (1963): Versuche mit Astrophytum asterias, Kakt. and. Sukk. 14 (2):
HAUSTEIN, E. (1950): Plastiden-Vererbung bei Kakteen, Kakt. and. Sukk. 1 (3): 5
ITO, Y. (1981): The Cactaceae - Classification and Illustration of Cacti by Yoshio Ito, Japan: 508
MEGATA, M. (1944): An Account of the Genus Astrophytum LEMAIRE in: Memoirs of the College of Agriculture, No. 56, Kyoto Imperial University: 52
SADOVSKY, O. (1971): Versuche auf dem lebenden Kakteenfriedhof, Kakt. and. Sukk. 22 (4): 74-75
SCHUMANN, K. (1895): Weisse oder gelbe Formen von succulenten Pflanzen, Monatsschrift d. DKG 5 (7): 110
Bilder:
Astrophytum asterias, panaschiert, Tamaulipas (1)
Astrophytum asterias, panaschiert, Tamaulipas (2)
Astrophytum asterias, panaschiert, Tamaulipas (3)
Astrophytum asterias, panaschiert, Kulturpflanze, Blüte (1)
Astrophytum asterias, panaschiert, Kulturpflanze, Blüte (2)
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