HOOCK, H. 1989 . Brit. Cact. Succ. Journ. (GB) Band: 7 Heft (2) Seite 49-50 A Beautiful Cristate of Astrophytum ornatum


Eine schöne Cristata von Astrophytum ornatum (DE CANDOLLE) WEBER

Das Venadostal im Bundesstaat Hidalgo, Mexiko, ist bekannt und berühmt für seine einmalige Sukkulentenflora und hat deshalb schon vor über 150 Jahren die Liebhaber und Botaniker zum Besuch angeregt. Es wird auch Tal der Greisenhäupter, nach Cephalocereus senilis (HAWORTH) PFEIFFER oder Barranca de Metztitlan genannt. Die kleine Ortschaft Metztitlan liegt mitten in einer Landschaft, die man mit Fug und Recht als natürlichen Steingarten bezeichnen kann.

Zum Studium von Astrophytum ornatum verweilte ich mit meinem Freund Ulrich Bernhard mehrere Tage in der wilden und romantischen Barranca. Auf den Hängen des Flußtales findet man diese Pflanzen in allen Größen, vom Sämling bis zur beinahe zwei Meter hohen Säule, teils verstreut oder in lockerer Formation, teils in dichten Gruppen die das Bild der Vegetation prägen. Auffallend sind selbstverständlich schon wegen ihrer Größe die hier beheimateten Greisenhäupter, aber auch Echinocactus ingens ZUCCARINI, große Polster von Mammillaria geminispina HAWORTH, Thelocactus horripilus (LEMAIRE) KLADIWA, Marginatocereus marginatus (DE CANDOLLE) BACKEBERG, Stenocereus dumortieri (SCHEIDWEILER) BUXBAUM, Ferocactus glaucescens (DE CANDOLLE) BRITTON & ROSE, Myrtillocactus geometrizans (MARTIUS) CONSOLE sowie bodendeckende Agaven und Hechtien. Mein unfreiwilliger Körperkontakt mit der verhältnismäßig unscheinbaren Cnidoscolus urens (LINNE) ARTHUR, der "mala mujer" (böse Frau), belehrte mich, daß im Vergleich dazu die Berührung mit unserer einheimischen Brennessel (Urtica) fast Spaß macht. Noch Tage nach dieser Erfahrung waren die betroffenen Hautpartien schmerzhaft geschwollen.

Unweit des Ortes Metztitlan, an einem intensiv von Ziegen beweideten Seitental des Venados, wächst die in den Bildern 1 und 2 dargestellte prächtige Cristata von Astrophytum ornatum. Zwar sind gelegentlich ähnliche Wuchsformen mit Mehrfachköpfen oder dichotomer Scheitelspaltung am Standort vorhanden, aber diese Pflanze übertrifft an Schönheit alle anderen bei weitem. Sie ist auch nicht durch eine Verletzung entstanden, sondern die Rippenvermehrung hat sich in den letzten Jahrzehnten harmonisch mit der fast mathematischen Regelmäßigkeit einer geometrischen Reihe entwickelt (s. Skizze). Im verbänderten Scheitelteil überwiegen die fließenden Rippeneinschübe, spontane kommen aber auch hier gelegentlich vor. Bei einer Gesamtgröße der Pflanze von etwa 80 und einem mittleren Durchmesser von 22 cm vermittelt dieses Ornatum eher den Eindruck der massiven Wuchsform von Astrophytum ornatum v. mirbelii LEMAIRE am Rio Tula und Rio Moctezuma. Überraschenderweise ist der cristate Teil mit etwa 24 cm Länge bei 22 cm Breite nur wenig oval, obwohl er bereits 46 Rippen aufweist. Daß Cristaten blühen können beweisen die zahllosen Blütenreste im Scheitel und über 50 frische Knospen in dieser Region. Eine Aussaat von Samen dieser Pflanze hat bis heute, drei Jahre später, eine Nachkommenschaft ergeben, die sich nicht von den normalwüchsigen Ornaten aus Metztitlan unterscheidet. Nach allgemeiner Erfahrung ist bei Kakteen eine generative Vermehrung von Cristaten nicht möglich, die Ursache für die Entstehung der Verbänderungen selbst noch immer ein Rätsel.

Außer von Astrophytum asterias (ZUCC.) LEM. sind bisher von allen Taxa der Gattung, wenn auch sehr selten, wildwachsende Cristatformen entdeckt worden. Wie es scheint sind sie aber in den evolutiv älteren Spezies häufiger anzutreffen (KLAUS, W. 1976). Auch JOHNSON, H. erwähnt 1961 einen Fund in der Barranca de Metztitlan. Mangels Bildmaterial läßt sich aber leider nicht beurteilen ob es sich hierbei um dieselbe Pflanze gehandelt hat. Dieses schöne Astrophytum ornatum dürfte schon als Jungpflanze das Habitat bewohnt haben als DE CANDOLLE 1828 die Erstbeschreibung anhand eines Exemplares aus eben dieser Gegend verfaßte. Mit ihren Abmessungen hat sie wohl die größten Existenzgefahren hinter sich, die sich bei den Sämlingen durch die Beweidung von Ziegen und später durch die Sammeltätigkeit von europäischen Liebhabern und Händlern ergeben. So ist zu hoffen, daß sie sich noch viele Jahre ungestört weiterentwickeln kann.

Literatur:

BERNHARD, U. (1987): Astrophytum ornatum (DE CANDOLLE) WEBER in der Barranca von Metztitlan, Kakt. and. Sukk. 38 (10): 235

FITTKAU, H. W. (1979): Astrophytum ornatum (DE CANDOLLE) WEBER, Kakt. and. Sukk. 30 (4): 32

JOHNSON, H. (1961): Our Mexican Diary - Part II, Cact. Succ. Journ. (US) 33 (3): 85

KLAUS, W. (1976): Wuchsformen von Astrophytum coahuilense (MOELLER) KAYSER, Kakt. and. Sukk. 27 (7): 161

SADOVSKY, O.; SCHÜTZ, B. (1979): Die Gattung Astrophytum, Flora-Verlag, Titisee-Neustadt: 21

SCHMOLL, F. (1934): List of Cacti Plants, (Firmenkatalog): 1

Bilder:

Astrophytum ornatum (1)
Astrophytum ornatum (2)
Diagramm

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